B13: Reform oder Revolution? Unser Schulsystem braucht Veränderungen. (2004)

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Gremium: Landesparteitag
Sitzung: Landesparteitag Norderstedt 2004
Bezeichnung: B13
Antragsteller: Kreisverband Stormarn


Beschluss: Angenommen

Der Landesparteitag möge beschließen:


Es ist an der Zeit, sich der Erkenntnis zu stellen, dass unser heutiges Schulsystem weder unseren Erwartungen noch den internationalen Anforderungen gerecht wird. Die bitterste Erkenntnis aus Studien wie PISA und IGLU ist die, dass Schule, wie sie heute bei uns funktioniert, soziale Unterschiede vergrößert statt abzubauen. Konzepte zu einer Reform des Bildungssystems gibt es nicht erst seit den 80er Jahren, durchgesetzt worden ist jedoch wenig. Durch die halbherzige Einführung der Gesamtschulen ist der Begriff heute „verbrannt“, in der Lehrerausbildung wurde nie entsprechend auf diese neue Schulform reagiert. Der KV Stormarn versteht die derzeitige Diskussion um die Krise unseres Schulsystems als Chance, längst Überfälliges umzusetzen. Das heutige Schulsystem ist eine Antwort von vorgestern auf die Herausforderungen von morgen. Soll heute Hand an das, noch von einem deutschen Kaiser eingeführte, dreigliedrige Schulsystem gelegt werden, kommt dies weniger einer Reform und mehr einer Revolution gleich. Der Widerstand würde erheblich sein, die SPD hätte diesem standzuhalten und das Ergebnis wäre es wert.

Dabei steht ein Ziel über allen anderen: es darf künftig keine soziale Selektion mehr im Bildungssystem geben. Das Bildungssystem muss soziale Unterschiede verringern helfen, statt zu verstärken. Dies ist für die SPD Stormarn ein wesentlicher Bestandteil sozialer Gerechtigkeit.

  • Im Mittelpunkt aller Bemühungen um das Bildungssystem muss das lernende Kind stehen. Das erfordert einen umfassenden Bildungsbegriff und natürlich einen Blick über die Schule hinaus, auf Elternhaus, Kita, Freizeitangebot und generell außerschulische Lern-Orte.
  • Wesentliche Entscheidungen für die Entwicklung eines Kindes werden in den ersten Jahren getroffen. Kitas haben in diesem Zusammenhang einen eigenen und besonders wichtigen Bildungsauftrag. Diese Tatsache muss sich in der Ausbildung des Personals und in der Ausstattung mit Sachmitteln widerspiegeln.
  • Um allen Kindern zur Einschulung vergleichbare Chancen zu bieten, fordert die SPD Stormarn ferner die Einführung eines verbindlichen Vorschuljahres.
  • Es müssen Konzepte für eine Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems entwickelt werden, die Kinder sollen länger gemeinsam lernen. Berücksichtigt werden müssen dabei natürlich auch „bauliche Voraussetzungen“ – Grundschulen, Haupt- und Realschulen und Gymnasien können nicht über Nacht zu einer Einheit werden.
  • Am Ende dieses Prozesses muss „eine Schule für alle“ stehen, ein „Haus des Lernens“ für alle Schüler von Klasse 1 bis 10.
  • In dieser Schule sollen Lehrer nicht alleine das pädagogische Personal sein. Sozialpädagogen, Psychologen etc. müssen künftig fest in die Schulkonzepte integriert werden.
  • „Sitzenbleiben“ gehört abgeschafft.
  • Die Lehrerausbildung muss dieser Entwicklung Rechnung tragen. Binnendifferenzierung, offene Unterrichtsformen und die Einbeziehung außerschulischer Lern-Orte müssen verbindliche Teile der Lehrerausbildung sein, verbindliche Fortbildungen zum Lehreralltag dazu gehören.


Zur Kommunikation dieser Vorhaben:

  • Die Frage, wie wir unsere Kinder ausbilden, ist die bedeutendste für unsere Zukunft überhaupt. Gerade die SPD als Emanzipationspartei muss Motor der Entwicklung eines Bildungssystems sein, das allen die gleichen Chancen in einer globalisierten Welt bietet.
  • Aufgrund der Finanz-Situation der öffentlichen Hand muss die Diskussion um nachhaltige Reformern des Bildungssystems auch auf Grundlage einer gesellschaftlichen Gewinn- und Verlustrechnung geführt werden. Unser Bildungssystem kostet Milliarden mit seinen Folgen in der Jugendhilfe, der Sozialhilfe, auf dem Arbeitsmarkt etc.
  • „Kinder sind wichtiger als Steuersenkungen“ – darüber muss ein gesellschaftlicher Konsens erzielt werden.
  • „Integration statt Selektion“ – gerade für die Kleinsten besteht die Notwendigkeit, sprachliche, soziale oder motorische Defizite vor der Einschulung auszugleichen. Ferner müssen wir damit aufhören, unsere Kinder im Alter 10 Jahren in drei Sorten Menschen aufzuteilen.