O17: Für mehr innerparteiliche Gleichberechtigung! (2001)

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Gremium: Landesparteitag
Sitzung: Landesparteitag Lübeck 2001
Bezeichnung: O17
Antragsteller: Jusos Schleswig-Holstein


Beschluss: Überwiesen an Landesvorstand

Die SPD ist eine “Partei der Stellvertreterinnen” - d.h. Einfluß und Macht sind auch in unserer Partei noch nicht gleich auf beide Geschlechter verteilt. Zwar ist es durch die Quote gelungen, den Frauenanteil in den verschiedenen Gremien zu erhöhen, aber:

  • Noch immer haben es Frauen schwerer als ihre männlichen Altersgenossen, sich
  • Noch immer fällt es Frauen schwerer, von sich in das wirkliche Machtgeschehen
  • Noch immer werden Frauen nicht genauso in Entscheidungen eingebunden, wie ihre männlichen Mitstreiter bei vergleichbarer Leistung.


Das spiegelt Phänomene wieder, die in jedem Lebensbereich in dieser oder anderer Form auftreten. Auch hier hat die SPD die gesellschaftliche Vorreiterstellung nicht eingenommen, es fällt uns zudem äußerst schwer, dies zuzugeben. Diese Probleme werden sehr oft nicht bewußt wahrgenommen, da es keine “böswilligen” oder “absichtlichen” Ausgrenzungsversuche sind. Es wird auch an den konkreten Punkten deshalb äußerst selten hinterfragt.

Frauen, die es geschafft haben, sich Zutritt zu den Entscheidungsebenen zu verschaffen haben meist einen steinigen Weg hinter sich, sie haben sich nicht selten nur deshalb (oder auch vor allem deshalb ) durchsetzen können, weil sie männliche Politikstile übernommen ( wie z.B. das Redeverhalten ) haben. Scheitern in Hinsicht auf die Geschlechtergleichberechtigung tun diese Erfolge meistens daran, daß es schwer fällt, sie mit den anderen Frauen zu teilen. Es entsteht eine Art “Einzelkämpferinnenmentalität” - ein bißchen nach dem Motto “Jede muß selbst sehen, da ran zu kommen”.

Es würde auch nicht funktionieren, beispielsweise Kommunikationswege entstehen zu lassen, wenn der Rest der Frauen untätig bliebe und auf die eine “Quelle” vertraute. Allerdings können solche Vorreiterinnen Hilfestellungen leisten, anderen Frauen, die mitentscheiden wollen, auf ihrem Weg weiterzukommen. Sie könne ihre nicht selten leidvollen Erfahrungen mit ihren Genossinnen teilen, sie haben ihnen schließlich auch ein wenig den Weg geebnet.

Das ist der eine Teil des Kuchens – aber Gleichberechtigung und Frauenpolitik ( was diese Bezeichnung oft suggeriert ) ist keine alleinige Aufgabe der Frauen. Gleichberechtigung kann nur entstehen, wenn Männer und Frauen gemeinsam beginnen, Problemfelder aufzuarbeiten.

Dampf ablassen und Ideen entwickeln in autonomen Frauenstrukturen schön und gut - Es hat hier immer an der Durchsetzung gehapert. Entweder wurden in der Vergangenheit Diskussionen immer nur von Frauen alleine geführt - oder, wenn es um konkrete Veränderungen und Kritik am eigenen Gremium ging, von der Mehrheit abgeblockt, mit der Begründung, daß “bei uns doch jeder die gleichen Chancen hat”. Der Grund darin liegt auch, daß das Thema bis zum Brechreiz immer wieder in diesen autonomen Frauenstrukturen oder im politischen Showkampf debattiert und dabei das eigentliche Ziel der innerverbandlichen Gleichberechtigung aus den Augen verloren wurde. Es existiert hier keine Schuldfrage oder dergleichen ( die “bösen“ Männer, die die “armen” Frauen unterdrücken ). Vielmehr ein Nicht-Wahrnehmen in konkreten Fragen von beiden Seiten.

Deshalb ist es auch an beiden Seiten, aufeinander zuzugehen. Genauso wie Männer lernen müssen, mit weiblichen Politikstilen umzugehen, müssen Frauen lernen, sich durchzusetzen und zu fordern, denn das ist eine wichtige Eigenschaft, die man/Frau benötigt, in politische Entscheidungssphären einzudringen. Diese Fähigkeit, zu fordern, die fehlt bei vielen Frauen, sie möchten am liebsten, daß sie gefragt werden, ein Amt zu übernehmen. Dabei geht es nicht darum, daß Frauen gefördert oder “gepuscht” werden, sondern daß sie die Kraft gewinnen, um selbst den von ihnen gewählten Weg zu finden und auch zu gehen.

Ziel muß sein vom “Verband der Stellvertreterinnen” zu einem zu werden, wo in den wichtigen Schlüsselpositionen und entscheidenden Ebenen Frauen und Männer in einem ausgewogenen Verhältnis sitzen und das die Beteiligung beider Geschlechter in gleichem Maße eine Selbstverständlichkeit ist. Hier ist auch die SPD Schleswig-Holstein gefordert, in den kommenden Jahren gemeinsam Mittel und Wege zu finden, dieses Ziel zu verwirklichen.


Deshalb brauchen wir...

  1. ... eine aktive, selbstkritische Debatte über konkrete Bereiche (z.B. Verteilung des Einflusses in Vorständen, Wie läuft die Gremienarbeit ab? Etc.) , die von Frauen und Männer zusammen geführt wird,
  2. ... Angebote zur Stärkung weiblichen Durchsetzungsvermögens; beispielsweise durch Rethoriktraining,
  3. ... genauso eine Heranführung der männlichen Genossen an weibliche Politikstile, d.h. Aufzeigen ihrer eigenen Schwachpunkte ( Redeverhalten, “Männerzirkel” usw. ) in den konkreten Situationen,

...und eine Zusammenführung der ersten Ergebnisse und Erfahrungen aus diesem Prozeß in einem Antrag für den Bundesparteitag 2001 in Nürnberg, in dem sich die SPD Schleswig-Holstein klar positioniert. Ziel ist es, neue Aspekte in eine schon lang andauernde, aber noch lange nicht beendete Debatte einzubringen.