A24 Soziale Berufe aufwerten - Fachkräfte gewinnen und sichern (2020): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Beschlussdatenbank der SPD Schleswig-Holstein
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{{Beschluss
 
| Gliederung = Landesverband Schleswig-Holstein
 
| Gremium = Landesparteirat
 
| Sitzung = Landesparteiratssitzung, August 2020
 
| Antragsteller =Landesvorstand
 
| Nr =A3
 
| Status = Angenommen
 
| Adressat =
 
| Kategorien =Arbeit, Wirtschaft, Teilhabe
 
}}
 
  
==Qualifizierung als Schlüssel zur Teilhabe an der Gesellschaft und der Arbeitswelt==
 
Grundlage für die Teilhabe an der Gesellschaft ist ein nachhaltiges Bildungssystem. Dazu gehören gleiche Teilhabechancen, der freie Zugang zu Bildung sowie eine auf die Lernenden individuell angepasste Förderung. In der frühkindlichen Erziehung und in der Schule wird jedoch nach wie vor soziale Ungleichheit reproduziert. Auch die duale Ausbildung selektiert durch Eingangshürden. In der bundesweiten Lehrstellenbörse der Industrie- und Handelskammern sind fast zwei von drei Ausbildungsangebote für Jugendliche mit einem Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss von vorhinein ausgeschlossen.
 
 
Die neue Arbeitswelt fordert neue Kompetenzen. Neue Fähigkeiten wie Verantwortung für 10 Prozesse zu übernehmen, verbesserte IT-Kompetenz, interdisziplinäres Zusammenarbeiten usw. werden zukünftig gebraucht, jedoch kaum in unserem Bildungssystem gefördert. Darüber hinaus sorgt die fortschreitende Digitalisierung dafür, dass Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung weiterhin nachgefragt sein werden, während es einen sinkenden Bedarf geben wird bei Personen, die keinen Ausbildungsabschluss vorweisen. Einfacharbeit bleibt nur dort erhalten, wo sich eine Automatisierung nicht rechnet oder wo Konsumierende einen Menschen als Kontaktperson bevorzugen sowie einfordern.
 
 
==Recht auf Teilhabe.==
 
Menschen mit Behinderung haben Recht auf Teilhabe am Arbeitsleben. Wir wollen auch die Potenziale der Menschen mit Behinderung für den Arbeitsmarkt erschließen. Dies bedarf eine gezielte Qualifikation der Betroffenen und eine Unterstützung der ArbeitgeberInnen um qualifizierte Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Wir wollen das Thema Inklusion in den Betrieben und Dienststellen verankern.
 
 
 
Dazu gehört eine inklusive Aus-und Weiterbildung ebenso wie die Entwicklung und Einrichtung von Unterstützungsinstrumenten und -Strukturen. Die Erfahrungen von Werkstätten (WfbM), Vertretungen der Schwerbehinderten und Fachdiensten sind dabei einzubeziehen.
 
 
'''Damit alle Menschen auch in der Zukunft an der Gesellschaft und der Arbeitswelt teilhaben können, fordern wir als SPD Schleswig-Holstein:'''
 
 
Stärkung der aufwärtsgerichteten Durchlässigkeit im Bildungssystem einschließlich der Berufsbildung; flächendeckende Einführung des gebundenen Ganztags in der Schule und längeres gemeinsames Lernen für alle! Die Lehr- und Lernmittelfreiheit sowie die Gebührenfreiheit muss für alle Bildungsbereiche sichergestellt sein. Dazu gehört die kostenfreie Ausstattung mit digitalen Endgeräten, um an Distanzunterricht teilnehmen und häusliche computergebundene Aufgaben erledigen zu können.
 
 
==Mehr Qualität in den Angeboten von Kita und Ganztag.==
 
Mehr Personal an den Schulen und Berufsschulen (Lehrkräfte, Schulsozialarbeit, Multiprofessionelle Teams....) und bessere Arbeitsbedingungen. Berufe an und für Menschen müssen deutlich aufgewertet werden.
 
 
Die Einführung von Bildungs- und Berufsberatung an Schulen. Intensivierung der Bildungs- und Berufsorientierung sowie Stärkung des „Schleswig-Holsteinisches Instituts für Berufliche Bildung (SHIBB)“, welches dem Bildungsministerium zugeordnet ist. Das Image und Profil der dualen Berufsausbildung müssen gestärkt und deutlich ausgebaut werden. Die Berufspraktika in den Schulen sollen dafür weiter ausgebaut und die Begleitung der Lehrkräfte intensiviert werden.
 
 
Förderung des MINT-Nachwuches aufgrund des großen Fachkräftebedarfs. Dabei sollen vor allem Mädchen und Frauen durch frühzeitige und nachhaltige MINT-Bildung für eine duale Ausbildung und das Studium in MINT- Themenfeldern begeistert werden. Darüber hinaus müssen Strategien entwickelt werden wie die Branchen Tourismus, Pflege, Logistik und Handwerk für junge Menschen wieder attraktiver werden, da auch dort ein deutlicher Fachkräftemangel zu verzeichnen ist.
 
 
Die duale Ausbildung ist ein Erfolgsfaktor in Schleswig-Holstein. Wir wollen, dass das so bleibt und schaffen die Möglichkeit, für finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten bei den Wohnkosten sowie den Fahrtkosten und setzen uns langfristig für die Einführung eines Auszubildendentickets ein. Zudem wollen wir junge Menschen ohne Schulabschluss intensiver begleiten und sie beim Einstieg in die Ausbildung unterstützen.
 
 
==Einen Rechtsanspruch auf Weiterbildung.==
 
Wir wollen, die
 
 
*Einführung einer Ausbildungsplatzgarantie und einen verbindlichen Übergang von Schule zur Berufsausbildung;
 
*Umsetzung der Anrechnungsregelung schulischer Berufsausbildung auf die betriebliche Berufsausbildung;
 
*Übertragung des Konzeptes der RBZ auf alle beruflichen Schulen;
 
*Einführung von Ganztagsqualifizierungsangeboten für Jugendliche ohne Berufsausbildung, für die Ausbildungsvorbereitung sowie für die außerbetriebliche Berufsausbildung;
 
*konsequente Ausbildung der Agentur für Arbeit zur Arbeitsversicherung. Darüber hinaus muss das Qualifizierungschancengesetz offensiver bekannt gemacht werden.
 
 
Wir wollen eine gemeinsame Bildungsstrategie der Länder, welche die Zusammenarbeit der Länder zum Ziel hat.
 
 
'''Darüber hinaus fordern wir als SPD Schleswig-Holstein:'''
 
 
*Eine Prozess- und kompetenzorientierte Ausbildung mit fächerübergreifenden Elementen.
 
*Die Einführung eines dauerhaften Kompetenzmonitorings. Die festgestellten nötigen Kompetenzen sollen durch die Kulturministerkonferenz für alle Bundesländer standardisiert werden. Dabei muss es auch mehr Raum für Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit in den Schulen geben.
 
*Eine Offensive „Erwachsene in Ausbildung“ soll vom Bund gestartet werden, damit auch Erwachsenen vermehrt die Chance gegeben wird, erstmals in Ausbildung zu gehen oder sich auf diese Weise umorientieren zu können.
 
*Einführung eines Bildungskonzeptes für lebenslanges Lernen im Handwerk mit zusätzlichen Bildungsmaßnahmen für Schulabrecher*innen sowie internationale Fachkräfte.
 
*Engere Zusammenarbeit von Jugendberufsagenturen und den Berufsschulen. Die notwendigen zusätzlichen Lehrerstellen sind durch das Land mitzufinanzieren.
 
*Einführung von Weiterbildungszentren an Beruflichen Schulen, Hochschulen und Universitäten, um eine praxisnahe Weiterbildung zu gewährleisten. Dabei muss es möglich sein, auch Fortbildungsangebote an den Hochschulen und Universitäten anzunehmen, ohne eine Hochschulabschluss zu besitzen. Die Volkshochschulen übernehmen die Bildung in den Bereichen der „Soft Skills“, Demokratieförderung, zivilgesellschaftliche Mitbestimmung und Mitwirkung, Sprachen, Kunst- und Kulturförderung.
 
*5 Tage zusätzlichen Bildungsurlaub für Arbeitnehmer*innen.
 
*Die Anerkennung für Bildungsurlaub soll bundesweit vereinheitlicht werden, zudem sollen anerkannte Träger für Bildungsurlaub die Möglichkeit haben ihre Bildungsangebote ohne anfallende Verwaltungskosten anzubieten.
 
*Eine landesweite Informationskampagne für den Bildungsurlaub.
 
*Ausbau des Seminarangebots an Volkshochschulen, für welches Bildungsurlaub eingereicht werden kann.
 
*Die Brückenteilzeit auch für Betriebe mit weniger als 45 Beschäftigten und für alle Mitarbeiter*innen.
 
*Staatliche Übernahme von Kosten des Bildungsurlaubs für Menschen mit geringem Einkommen.
 
*Die Übernahme der Kosten von Weiterbildungsmaßnahmen durch Arbeitgeber*innen, wenn die Maßnahme im Zusammenhang mit dem Beruf steht.
 
*Rückerstattung von Fortbildungskosten in angemessener Höhe über die Steuererklärung für Privatpersonen.
 
*Einführung von Weiterbildungsstudiengängen und Zusatzausbildungen für Weiterbilder*innen/-lehrkräfte. Die Stellen der Weiterbilder*innen/-lehrkräfte müssen anschließend unbefristet sein.
 
*Ausweitung, Stärkung und bessere Bewerbung des Bildungsurlaubes.
 
*Einführung eines ganzheitlichen Bildungsförderungsgesetzes, welches alle anderen bisherigen Bildungsförderungsmaßnahmen wie BAföG integriert.
 
*Den Zugang von Gewerkschaften in die Berufsschulen, wie auch allgemeinbildenden Schulen.
 

Version vom 7. September 2020, 08:25 Uhr