A4 Starke Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer (2020) (2020)

Aus Beschlussdatenbank der SPD Schleswig-Holstein
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Gremium: Landesparteirat
Sitzung: Landesparteiratssitzung, August 2020
Bezeichnung: A4
Antragsteller: Landesvorstand


Beschluss: Angenommen

Ein dramatischer Wissenszuwachs, die Digitalisierung, der demografische Wandel und die Globalisierung sind die Trends, die auf Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland und in Schleswig-Holstein einwirken. Das verändert die Arbeit grundlegend.

Wissen wächst

Das Wissen verdoppelt sich mittlerweile alle 10 Jahre. Die Unternehmen verlangen von den Menschen immer mehr Kenntnisse und Fähigkeiten, um Produkte herzustellen und Dienstleistungen zu erbringen. Sie müssen immer schneller lernen, Wissen weitergeben, verknüpfen und neu produzieren.

Die Menschen müssen Informationen zunehmend selbst sortieren und einschätzen, ob sie wahr oder falsch sind. Ihr Wissen veraltet immer schneller. Sie geraten unter Druck sich weiterzubilden und dadurch ihre Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.

Digitalisierung auf dem Vormarsch

Die Digitalisierung wirkt auf unterschiedliche Arten auf die Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer ein:

Mobile Geräte und Cloud-Dienste machen es möglich, dass Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer ortsunabhängig zusammenarbeiten können.

Social-Media-Dienste helfen Menschen sich zu vernetzen – sie ermöglichen aber auch, dass alles und jeder überwacht und bewertet werden kann.

Künstliche Intelligenz übernimmt Routineaufgaben und setzt die heutige Sacharbeiterebene zunehmend unter Druck. Sie sehen sich gezwungen sich weiter zu qualifizieren.

Generationen arbeiten zusammen

Der demografische Wandel führt dazu, dass Menschen aus unterschiedlichen Generationen und mit unterschiedlichen Wertvorstellungen zusammenarbeiten. Gleichzeitig erreicht die Baby-Boomer-Generation das Renteneintrittsalter, und der Fachkräftemangel wird verstärkt.

Schon heute gehört Deutschland zu den fünf Ländern auf der Welt, die den größten Fachkräftemangel zu verzeichnen haben. Von heute 1,4 Millionen fehlenden Fachkräften wird sich die Zahl für Deutschland bis zum Jahr 2030 mehr als verdreifachen. Für gut ausgebildete Arbeitskräfte ist das ein Vorteil. Bei den Unternehmen wächst der Druck Arbeitsbedingungen besser zu gestalten.

Die Welt wächst zusammen

Die Globalisierung verändert auch zukünftig die Arbeit in und von Organisationen. Deutschlands Unternehmen sind international und exportorientiert und dadurch abhängig von einem freien Zugang zu globalen Märkten. Gleichzeitig treffen dadurch in Unternehmen unterschiedliche Kulturen aufeinander. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen zum Teil damit leben, dass ihre Unternehmen wechselnde Eigentümer mit immer neuen Ausrichtungen haben.

Die Stärke und Verbreitung der vier Trends ist vor allem während der Coronapandemie sichtbar geworden. Die Pandemie hat sich anhand der Reisewege global verbreitet und globale Lieferketten sind als Folge zusammen gebrochen. Vor allem Länder mit höherem Durchschnittsalter waren in ihrer Krankenversorgung herausgefordert. Millionen Menschen sind ins Homeoffice gewechselt und haben die digitale Zusammenarbeit erprobt. Die Wissenschaft wurde herausgefordert und Verschwörungstheoretiker nutzten die informationellen Unsicherheiten von Menschen aus.

Die neue Arbeitswelt: schneller, unsicherer, komplexer und widersprüchlicher

Die neue Arbeitswelt nach der Pandemie wird noch volatiler, unsicherer, komplexer und widersprüchlicher. Unternehmen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen immer mehr Probleme bewältigen, die sich schnell verändern. Dabei sind sie einer hohen Unsicherheit ausgesetzt und müssen komplexe Herausforderungen meistern. In der neuen Arbeitswelt gibt es keine einfachen und geteilten Wahrheiten und Lösungen mehr. Vieles kann aus unterschiedlichen Perspektiven gesehen werden.

Die Arbeit der Zukunft (Digitalisierung, Arbeit 4.0, demografischer Wandel) wird nicht weniger, sondern andere Formen der Belastung und Beanspruchung mit sich bringen. Rationalisierung, neue „agile Strukturen“, Entgrenzung der Arbeit und Entwertung von Arbeit (z.B. durch Künstliche Intelligenz) führen zu neuen Leistungsanforderungen, aber auch Ängsten, neuen und zunehmenden Gefährdungen für Sicherheit und Gesundheit mit langfristigen Folgen wie z.B. gesundheitliche Beeinträchtigungen, Arbeitsunfähigkeiten und Frühverrentungen.

Klug in die Zukunft

Künstliche Intelligenz (KI) ist in vielen Berufen bereits fester Bestandteil des Arbeitsalltags. In vielen Bereichen wird es zukünftig sogar so weit kommen, dass KI Systeme Aufgaben besser ausführen können, als Menschen dies bisher tun. Entsprechende Arbeitsplätze werden wegfallen. Dies ist zunächst einmal eine Verbesserung der Qualität, gleichzeitig aber auch eine Gefahr für Beschäftigte. Deswegen müssen die Betriebsräte in solchen Prozessen angemessen beteiligt werden. Außerdem darf es nicht sein, dass Unternehmer*innen sich durch den Wegfall von Arbeitsplätzen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen, weil Sozialabgaben oder Einkommenssteuer nicht mehr gezahlt werden müssen.

Deshalb fordern wir:

  • Mitbestimmungsrechte des Betriebsrates, wenn KI Systeme im Unternehmen genutzt werden sollen;
  • eine Wertschöpfungsabgabe auf die Bruttowertschöpfung.

Die neue Arbeitswelt gestalten

Die Arbeit der Zukunft muss die Gesundheit der Beschäftigten erhalten und ihren Beitrag zur Persönlichkeitsentwicklung leisten. Dazu gehört,

  • den staatlichen Arbeitsschutz in Schleswig-Holstein (StAUK) insbesondere personell auszubauen,
  • gesetzlich vorgeschriebene Gefährdungsbeurteilungen wirksam zu stärken durch die Zunahme betrieblicher Kontrollen und die Konkretisierung (branchenorientierter) Standards und Vorgehensmodellen,
  • die Beschäftigten an Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes stärker zu beteiligen und ihren persönlichen Gesundheitsschutz zu fördern,
  • die Weiterbildung durch einen staatlich geförderten Rechtsanspruch auf Bildungsteilzeit zu stärken,
  • der Personalbemessung und Personalplanung auch in Tarifvereinbarungen mehr Gewicht zu geben.

In vielen Unternehmen wurde durch die Pandemie Arbeit digitaler und dezentraler organisiert. Die Arbeit der Zukunft muss die Arbeitsaufgabe wieder stärker in den Blick nehmen. Mit dem Ziel der Humanisierung der Arbeit haben die Beschäftigten einen Anspruch auf beeinträchtigungsfreie, sozial angemessene, persönlichkeitsförderliche und sinnstiftende Arbeitsaufgaben und Arbeitsbedingungen. Hierzu kann ein neues Programm „Humanisierung des Arbeitslebens der Zukunft“ einen wertvollen Beitrag leisten.

Das Ziel ist, dass Menschen bei ihrer Arbeit Bedeutsamkeit, Kompetenz, Selbstbestimmung und Einfluss erfahren. Dann handeln sie innovativer, identifizieren sich mehr mit ihrem Arbeitgeber und sind motivierter. Zudem sind sie hierdurch seltener krank. Wir schaffen die Rahmenbedingungen, damit Menschen auch in Zukunft gut arbeiten können.

Wenn die Unternehmen Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer wollen, die selbstorganisiert und ständig lernen, auch mit- und voneinander, sowohl generationen- als auch ressortüberreifend, dann müssen sie etwas tun und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dabei unterstützen. Zur Beratung und Begleitung der Beschäftigten im Wandel richtet das Land eine dauerhaft finanzierte Anlaufstelle, in unmittelbarer Anbindung an die Gewerkschaften des DGB, ein. Zudem richtet das Land einen entsprechend öffentlich finanzierten Hochschullehrstuhl an einem Hochschulstandort in Schleswig-Holstein ein.

Die SPD-Schleswig Holstein will, dass möglichst viele Menschen und Unternehmen die Chance erhalten, die Zukunftstrends der Arbeit erfolgreich zu bewältigen. Wir sind die erste politische Adresse und die Expertinnen und Experten für gute Arbeit im Land.

Wir wollen:

Die Humanisierung des Arbeitslebens der Zukunft.

Deshalb werden wir:

  • Unternehmen in die Pflicht nehmen und dabei unterstützen, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und ihnen die dafür benötigten Freiräume zu ermöglichen.
  • In verschiedenen Teilen des Landes Stellen einrichten, die eine Beratungsfunktion vor allem für Mittelständler und das Thema neue Arbeit übernehmen, die sich keine Organisationsentwicklung leisten können.
  • Im öffentlichen Dienst Maßnahmen ergreifen, um die Beschäftigten zu befähigen mit den vier Trends umzugehen und mehr Einfluss, Kompetenz, Bedeutsamkeit und Selbstbestimmung zu erfahren.
  • Jobcenter zu Experten für das Thema psychologisches Empowerment machen.
  • Das Empowerment-Konzept in die WiPo-Fachanforderungen aufnehmen. Die selbstbewusste Haltung können die Schulen bereits bei den Kindern durch ihre innere Organisation fördern.

Den Menschen Sicherheit geben.

Deshalb werden wir:

  • Sie bei Umschulungen in Zukunftsberufe unterstützen.
  • Beratungsangebote fördern, die für Orientierung in ihrem Berufsweg sorgen.
  • Eine Garantie auf Berufsausbildung geben.

Förderung von Innovationsräumen in Unternehmen.

Deshalb werden wir:

  • Freiräume schaffen – seien das Orte wie Innovationsgaragen, Zeiträume wie Labdays oder Beratungsangebote gegen Unternehmensbürokratie.
  • Coworking-Spaces auf dem Land fördern, in denen Menschen zusammenkommen, die z. B. selbstständig, als Einzelunternehmer oder im Home-Office arbeiten.
  • Social Entrepreneurship- Ausbildungen fördern.
  • Unternehmenskonzepte fördern, die humane Arbeitskonzepte in den Bereichen Demokratisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung während der Pandemie entwickelt haben