B01: Vorfahrt für Bildung! - Schleswig-Holstein zum Bildungsland machen!

Aus Beschlussdatenbank der SPD Schleswig-Holstein
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Gremium: Landesparteitag
Sitzung: Landesparteitag Büdelsdorf 2026
Bezeichnung: Leitantrag B01
Antragsteller: Landesvorstand


Beschluss: Angenommen


Bildung darf kein Glücksspiel sein: Wir ziehen die Streichung von Lehrkräftestellen zurück, sorgen für verlässlichen Unterricht und gewährleisten gerechte Bildungschancen - unabhängig vom Geldbeutel und Bildungsbewusstsein der Eltern!

Bildung ist ein durch internationale Konventionen garantiertes Menschenrecht. Sie ist die Grundlage für persönliche Entwicklung und politische, wirtschaftliche und soziale Teilhabe und damit für Demokratie.

Die Funktionsfähigkeit unseres Bildungssystems entscheidet daher nicht nur über individuelle Lebenswege, sondern auch über unsere Demokratie und unseren Wohlstand. Wir müssen unser Bildungssystem für die Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft wappnen - stets mit dem sozialen Kompass, der derzeit in der Bildungspolitik des Landes zu wenig beachtet wird. Denn Bildung ist die Zukunft unseres Landes, wir müssen mit ihr respektvoll umgehen - um unseretwillen und dem der kommenden Generationen. Anstatt bei der Bildung zu sparen, wollen wir daher in Bildung investieren. Denn jeder Euro, der in Bildung investiert wird, verdreifacht sich und sichert damit sowohl die Zukunft der Schüler:innen, als auch unserer Gesellschaft.

Schließlich ist „die Sozialdemokratie im eminentesten Sinne die Partei der Bildung“ (Wilhelm Liebknecht) – das galt 1872 ebenso wie heute. Oder anders: Schule ohne Lehrkräfte ist wie Wacken ohne Metal!

Keine Bildung ohne Fachkräfte

Schule ist ein Lehrort und Lernort. Prognosen zufolge fehlen in Schleswig-Holstein ca. 10.000 Lehrkräfte in den kommenden 10 Jahren. Die Schüler:innenzahl wird laut Prognosen weiter steigen und dennoch wurden Lehrkräftestellen abgebaut.

Zugleich ist jede 8. unterrichtende Person ohne abgeschlossene Lehrkräfteausbildung und gerade einmal jede 5. Person erreicht das gesetzliche Ruhestandsalter. Dennoch kümmert man sich nur nachlässig um Lehrkräftegewinnung und -erhalt. Davon sind unterschiedliche Schularten überdies unterschiedlich betroffen.

Schule ist aber auch ein Lebensort und Gesellschaft verändert sich. Familien müssen sich auf Schulen verlassen können. Wir leben in einer diversen Gesellschaft und in einer Zeit multipler Krisen. Daher gibt es neue Anforderungen an Schule, an der daher nicht nur Lehrkräfte, sondern auch zahlreiche andere Professionen benötigt werden. Das Spektrum umfasst pädagogische Berufsfelder (bspw. Schulsozialarbeitende, Schulpsycholog:innen, Erzieher:innen, Schulassistenzen, Schulbegleitungen, Schulgesundheitsfachkräfte) ebenso wie technisch-administrative Berufsfelder (bspw. Schulverwaltungskräfte, IT-Kräfte). Aktuell entscheidet das Glück des Wohnortes, ob Familien, Kinder und Jugendliche an ihren Schulen ein verlässliches System der Unterstützung durch verschiedene Professionen finden und wie wirksam dieses zusammenarbeitet.

Unsere Ideen:
  • Wir wollen den Schulen nach ihrem tatsächlichen Bedarf mehr Lehrkräfte zur Verfügung stellen und die Stellenstreichung zurücknehmen. Dafür wollen wir sowohl die Lehrkräfteausbildung stärken als auch ein Konzept zur Professionalisierung von Vertretungslehrkräften umsetzen.
  • Wir wollen basierend auf einer Arbeitszeiterfassung gemeinsam mit den Gewerkschaften alternative Arbeitszeitmodelle für Lehrkräfte durchdenken und einführen, um Überlastungen zu verringern und Lehrkräften zu ermöglichen, bis zur gesetzlichen Altersgrenze an Schule bleiben zu können.
  • Wir wollen ein Konzept für eine gelingende Zusammenarbeit multiprofessioneller Teams in Schleswig-Holstein entwickeln und umsetzen, um den wachsenden Herausforderungen in unserem Bildungssystem und den aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen überall im Land zu begegnen.
  • Wir wollen die Schulsozialarbeit und die Schulpsychologie in Schleswig-Holstein stärken, um Lernende mit Belastungen wirksam zu unterstützen und vorzubeugen.
Mehr Rechte – Mehr Chancen

Der Unterrichtsausfall in Schleswig-Holstein stagniert auf einem hohen Niveau von ca. 12%. Das heißt, dass jede 8. Unterrichtsstunde nicht planmäßig erteilt wird. Das reicht von Unterrichtsausfall über die Betreuung in der Aula oder „EVA“ bis hin zu fachfremder Vertretung. EVA (Eigenverantwortliches Arbeiten) ist in den oberen Jahrgängen der Gemeinschaftsschulen und in der Oberstufe generell oftmals die wichtigste "Lehrkraft" geworden, dennoch wurde die Unterrichtsversorgung reduziert, also der Wert, der beschreibt, wie viele Lehrkräftestellen die Schulen für die Beschulung ihrer Schüler:innen theoretisch zur Verfügung haben. Das heißt nicht, dass diese Stellen auch besetzt sind. Unbesetzte oder besetzte Stellen von Lehrkräften, die mittel- oder langfristig ausfallen, tragen also theoretisch zur Unterrichtsversorgung bei, obwohl in der Schule keine Lehrkraft ist, die den Unterricht übernehmen kann. Die Folge wird mehr Unterrichtsausfall und weniger Unterrichtsqualität sein. Gleichzeitig wurden die zu unterrichtenden Stunden für Schüler:innen in der Sekundarstufe I reduziert: 6 Stunden an Gemeinschaftsschulen und 4 Stunden an Gymnasien. Für Schüler:innen in Schleswig-Holstein gibt es also weniger Unterrichtsstunden, die mit einer höheren Wahrscheinlichkeit auszufallen drohen. Das riskiert den Schul- und damit Bildungserfolg.

Bildung ist die Behüterin der Demokratie und Demokratie braucht starke Interessenvertretungen. Landesschüler:innenvertretungen , Landeselternbeiräte und Landeselternvertretung der Kitas verfügen aktuell über keine eigenständige räumliche Geschäftsstelle. Stattdessen treffen sie sich im Ministeriumsgebäude unter Begleitung eines:r Ministeriumsmitarbeiter:in zu den Bedingungen des Ministeriums.

Unsere Ideen:
  • Wir wollen ein Recht auf Unterricht schaffen, indem wir an Schulen Mechanismen etablieren, die bei zu hohen Unterrichtsausfällen in Kernfächern greifen und gegensteuern. Eltern und Schüler:innen wollen wir Wege ermöglichen, dies einzufordern.
  • Wir wollen ein Recht auf Nachhilfe nach Hamburger Vorbild in Schleswig-Holstein verankern, damit Schüler:innen mit schlechten Noten eine individuelle Förderung und damit die Chance auf einen guten Bildungsabschluss und eine gute Zukunft erhalten.
  • Wir wollen Bildungspartizipation ein Zuhause geben und ihnen im Haus der Partizipation eine eigenständige räumliche Geschäftsstelle mitsamt Büros und Sitzungsräume stellen, um so diese wichtigen Ehrenämter zu stärken, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und ihre Sichtbarkeit zu erhöhen.
  • Wir werden ein schlüssiges und durchgehendes Konzept für eine altersgerechte, ununterbrochene theoretische und praktische Demokratiebildung bzw. politische Bildung von der KiTa bis zu jedem Schulabschluss entwickeln und einführen. Dies wird eine der ersten Maßnahmen sein, sobald wir in Schleswig-Holstein Regierungsverantwortung übernehmen. Hierzu soll bereits die Ausweitung des Faches Politik zählen.
  • Wir werden zusätzlich Mindestregeln zur Einbindung der Schülervertretungen in den Schulen ab der Grundschule einführen und die Einbindung der Landesschülervertretungen sowie Landeselternvertretungen im Schulgesetz stärken. Dies soll auch die informationelle Bringpflicht des Ministeriums gegenüber den Landesschüler- und Landeselternvertretungen stärken.
Lernen für alle

Schleswig-Holstein galt lange als Vorreiterland bei der inklusiven Bildung. Doch seit 2017/18 ist die Inklusionsquote Jahr für Jahr gesunken und verharrt nun auf dem Niveau von 2014. Statt die Schulen so auszustatten, dass sie das durch die entsprechende UN-Konvention garantierte Menschenrecht auf Inklusion erfüllen können, kehrt der Geist des Sortierens an unsere Schulen zurück und wir erleben einen Rückschritt von 10 Jahren. Statt Inklusion weiter bildungspolitisch zu fördern, liegt die Entwicklung brach.

Beispielsweise wurde das per Gutachten bereits 2019 empfohlene Konzept zur Reform des Systems von Schulbegleitung und Schulassistenz bisher weder entworfen noch umgesetzt, sondern lediglich mehrfach angekündigt. Auch zu der seit 2014 in den Inklusionsberichten empfohlenen Einrichtung von Campusklassen gibt es nach wie vor kein Konzept, sondern nur Ankündigungen. Fehlende Ressourcen statt echter Inklusion, Improvisation statt Struktur und Überforderung statt Unterstützung kennzeichnen auch den Umgang mit Neurodivergenz an Schule, der nicht systematisch geregelt ist, sondern dessen Erfolg vom Engagement einzelner Beteiligter abhängt. Anstatt individueller Bemühungen bedarf es einer systematischen und strukturellen Berücksichtigungen neurodivergenter Schüler:innen.

Der Nationale Bildungsbericht hat zudem erneut gezeigt, dass familiäre Lebensverhältnisse noch immer Rahmenbedingungen von und Risiko für Bildungsprozesse sind, wobei in Schleswig-Holstein insg. mehr als ein Drittel der Schüler:innen unter der Belastung von mindestens einem Bildungsrisiko (Bildungsferne, sozial, finanziell) lebt. Rund 20 % der Schüler:innen in Schleswig-Holstein haben einen Migrationshintergrund und sind dadurch häufig mit zusätzlichen sprachlichen Hürden konfrontiert. Während die Quote der Schüler:innen ohne Ersten allgemeinen Schulabschluss (ESA) und die Abbruchquote insgesamt bereits bei 10 % und damit über dem Bundesdurchschnitt liegt, ist sie bei Schüler:innen mit Migrationshintergrund mit 23 % mehr als doppelt so hoch.

Unsere Ideen:
  • Wir wollen zurückkehren zum Leitbild der inklusiven Schule. Eine inklusive Schule ist offen für alle jungen Menschen. Sie richtet ihren Unterricht und ihre Organisation auf eine Schülerschaft in der ganzen Bandbreite ihrer Heterogenität aus. Diese Heterogenität bezieht sich nicht nur auf Behinderung oder sonderpädagogischen Förderbedarf. Sie steht generell für Vielfalt und schließt beispielsweise die Hochbegabung ebenso ein wie den Migrationshintergrund oder unterschiedliche soziale Ausgangslagen. Damit Schulen nach diesem Leitbild arbeiten können, müssen wir wieder beständig an ihrer Ausstattung arbeiten.
  • Wir wollen inklusive Bildung im Sinne der gesamten Bandbreite der Heterogenität der Schüler:innen umsetzen, denn Individualisierung, Offenheit und Flexibilität helfen nicht nur neurodivergenten Lernenden, Lernenden mit Migrationshintergrund sowie Lernenden aus sozial herausfordernden, finanziell benachteiligten oder bildungsfernen Lagen, sondern kommen allen Schüler:innen zugute.
Lernen fürs Leben

Wir wollen eine "Kultur des Behaltens" etablieren, damit Schulen in Schleswig-Holstein die ihnen anvertrauten Schüler:innen bis zum Ende von deren Bildungslaufbahn gut betreuen können. Bisher gibt es jährlich eine hohe Zahl von sogenannten Abschulungen aus den Gymnasien. Schulverweigerung und Schulabsentismus nehmen auch im Norden deutlich zu. Wer das ändern will, muss sich um Mental Health kümmern. Um lösungsorientiert handeln zu können, braucht es systematische Datenerhebungen. Dafür muss sich Schleswig-Holstein auch bundesweit einsetzen. Zu viele Schüler:innen verlassen in Schleswig-Holstein die Schule ohne Schulabschluss. Landesweit haben mehr als 2.000 Schüler:innen mehr als 40 Fehltage in einem Schuljahr. Beides geht nicht immer, aber häufig miteinander einher. Schleswig-Holstein liegt seit 2018 klar über dem Bundesschnitt. Schüler:innen müssen die Rahmenbedingungen vorfinden, um ihren Schulabschluss in der Regelschulzeit erzielen zu können. Sie müssen entsprechend gefördert werden, sodass diese Station ihrer Bildungsbiographie eine positive Erfahrung für sie ist und hierdurch ihr Glaube an ihre Selbstwirksamkeit, Leistungsfähigkeit sowie in unseren demokratischen Staat gestärkt wird. Gleichzeitig stärken wir in diesem Sinne das Lernen im eigenen Tempo, um individuelles Lernen zu ermöglichen. Ohne Schulabschluss ist es schwer, eine Ausbildungsstelle zu bekommen und damit ist der Weg in den Niedriglohnsektor und ein prekäres Leben geebnet. Berufsschulen dürfen kein Ausbesserungsbetrieb für das Versagen der Landesregierung bei der allgemeinen Schulbildung sein.

Die berufliche Bildung ist für die Chancengleichheit und Innovationsfähigkeit von zentraler Bedeutung. Schüler:innen, die mit dem klassischen Schulweg in eine Ausbildungsstelle hadern und stattdessen ihren Schulabschluss auf einem praxisorientierten und selbstbestimmten Weg erreichen wollen, können dies über das Konzept des produktiven Lernens erreichen, das es jedoch nicht an allen Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein gibt, so dass der Wohnort und Glück über das Erlangen eines Schulabschlusses, den Eintritt in eine Ausbildung und damit die Zukunft der Kinder entscheidet.

Immer mehr Abiturient:innen entscheiden sich im Anschluss an den Schulbesuch für eine Ausbildung. Lag ihr Anteil 2011 noch bei 23% der Ausbildungsbeginnenden, lag er 2021 bereits bei knapp 30%. Dennoch fokussiert sich die berufliche Orientierung an Gymnasien häufig auf die Perspektive eines Hochschulbesuchs.

Schule soll Kinder und Jugendliche auf ihr zukünftiges Leben vorbereiten. In einer sich rasant entwickelnden Welt und einem Zeitalter multipler Krisen ist es immer schwieriger vorherzusagen, welche Herausforderungen sie in der Zukunft zu bewältigen haben. Gleichzeitig haben Schüler:innen eigene Fragen an die Zukunft und Ideen, wie man mit gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen umgehen kann, für die im schulischen Alltag zwischen Fachanforderungen und Schulcurricula nicht immer Zeit und Raum ist.

Unsere Ideen:
  • Wir wollen, dass alle Gemeinschaftsschulen das Prinzip des Produktiven Lernens in zu ihnen passenden unterschiedlichen Modellen einführen können, damit alle Schüler:innen die Möglichkeiten haben, ihren Schulabschluss auf einem praxisorientierten Weg zu erlangen.
  • Wir wollen die berufliche Orientierung an Gymnasien verbessern, damit Abiturient:innen die Anschlussperspektive für eine berufliche Ausbildung ebenso als Option im Blick haben, wie einen Hochschulbesuch.
  • Wir wollen in Schleswig-Holstein Lernformate entsprechend des Frei Days einführen, damit Schüler:innen in der Schule den Raum haben, ihre eigenen Fragen an die Zukunft und ihre Ideen zu bearbeiten und gemeinsam Antworten und Lösungsansätze zu finden.
  • Wir wollen gleiche Chancen auf alle Abschlüsse für Schüler:innen überall in Schleswig-Holstein schaffen und dafür Oberstufen stärken und besser verzahnen.
  • Wir wollen an den Oberstufen schleswig-holsteinischer Schulen die Prinzipien für ein "Zukunftsfähiges Abitur" (Potsdamer Erklärung) umsetzen, um höhere Abschlüsse für noch mehr junge Menschen attraktiv und erreichbar zu machen.
Räume zum Lernen

Alte und marode Schulgebäude treffen in Schleswig-Holstein auf Kommunen mit leeren Kassen auf Fachkräftesuche. Dazu kommen neue Anforderungen an Schulgebäude durch längere Schultage, neue pädagogische und didaktische Konzepte, die Digitalisierung oder Arbeits-, Wärme- und Brandschutz. Die Schulträger in Schleswig-Holstein stehen vor einer Milliarden-Herausforderung. Anstatt in die Offensive zu gehen, versteckt sich das Land hinter der Zuständigkeit der Kommunen. Dabei haben unsere Schüler:innen

Schulgebäude zum Lernen und Leben verdient, in denen sie sich wohlfühlen und die ihnen die bestmöglichen Bedingungen bieten.

Die Kennzahlen zu Schulabbrüchen, Schulabsentismus und Gewalt an Schulen (780 erfasste Fälle im SH 24/25) sind erschreckend hoch. Schule scheint für einige Schüler:innen kein Wohlfühlort zu sein, geschweige denn ein angemessener Schutz- und Lernraum. Der Bedarf an Schulen, sich der Schulkultur an und die Themen der Schüler:innen ernst zu nehmen, ist damit unverändert hoch. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass es ihren Kindern an der Schule gut geht. Schließlich ist das Wohlbefinden unserer Schüler:innen auch ein Schlüssel dafür, Schleswig-Holsteins desaströse Ergebnisse in allen Bildungsstudien zu verbessern. Seit 2021 wissen wir, dass alle Kinder, die im Sommer 2026 eingeschult werden, ein Recht auf Ganztag haben. Ein Meilenstein auf dem

Weg zur Bildungsgerechtigkeit und Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Doch Schleswig-Holstein droht diese Chance zu verschlafen: Nicht einmal die Hälfte der Bauvorhaben wird fertig sein, wenn der Rechtsanspruch beginnt. Nach fünf Jahren Erarbeitungszeit wurde kein verbindliches pädagogisches Rahmenkonzept für den Ganztag vorgelegt, sondern der Auftrag an die Schulen übertragen, bis 2030, also wenn der Rechtsanspruch schon längst eingetreten ist, ein schulspezifisches Konzept zu erarbeiten. Die Betriebskostenrichtlinie soll nur wenige Monate vor Inkrafttreten vorgelegt werden, also wenn die Kommunen ihre Haushaltsberatungen für 2026 längst abgeschlossen haben.

Bildungsgerechtigkeit steht noch immer Bildungskosten gegenüber. Trotz Lernmittelfreiheit kostet Eltern ein Schuljahr ca. 1.600€ pro Kind. Diese Kosten sind in den letzten Jahren durch die Notwendigkeit, eigene digitale Endgeräte für den Unterricht bereit zu halten, stark gestiegen. Durch die geplanten Elternbeiträge für die Ganztagsbetreuung an Grundschulen in Schleswig-Holstein sowie die damit verbundene Notwendigkeit, in der Schule ein Mittagessen zu kaufen, werden diese Kosten weiter steigen. Dabei sollte kein Kind von den Bildungschancen, die die Umsetzung des Ganztagsrechtsanspruchs ermöglichen, ausgeschlossen werden oder hungrig lernen müssen.

Unsere Ideen:
  • Wir wollen eine eigene Bildungsbaugesellschaft gründen, die Trägern anbietet, sie bei Schulbau und - sanierung zu unterstützen, um dem Sanierungsstau an Schulen zu begegnen. Musterlösungen sollen schnelles und kosteneffizientes Bauen sichern.
  • Wir wollen eine demokratische Schulkultur fördern, indem wir mit einem Rahmenkonzept Demokratie demokratische Strukturen und Verfahren grundlegend im System Schule verankern, so dass Schule ein partizipativer und diskriminierungsfreier Raum sein kann.
  • Wir wollen die Chancen, die mit dem Ganztagsrechtsanspruch einhergehen, nutzen und allen Beteiligten und Betroffenen Planungssicherheit geben und eine Rhythmisierung des Ganztags einführen, bei der die Grenze zwischen vormittäglichem Unterricht und nachmittäglicher Betreuung verschwimmen. In diesem Zuge wollen wir auch den gebundenen Ganztag fördern.
  • Wir wollen Bildungskosten reduzieren, damit alle Lernenden gute Lernbedingungen haben. Dafür wollen wir Schüler:innen digitale Endgeräte zur Verfügung stellen, eine kostenlose Ganztagsbetreuung an Grundschulen einführen und uns auf Bundesebene für ein kostenloses Mittagessen einsetzen. Der Schulabschluss muss unabhängig vom Geldbeutel der Eltern werden!
Berufliche Bildung

Berufliche Schulen und Regionale Berufsbildungszenten (RBZ) spielen in Schleswig-Holstein eine zentrale Rolle für die regionale Fachkräftesicherung. Sie bieten jungen Menschen praxisnahe Ausbildungsmöglichkeiten und sind wichtige Integrationsorte – besonders für junge Migrant:innen, die hier nicht nur beruflich, sondern auch sprachlich Fuß fassen. Eine Schwächung dieses Systems gefährdet nicht nur einzelne Bildungswege, sondern auch die Arbeitsmarktsituation im ganzen Land. Die berufliche Bildung in Schleswig-Holstein leidet aktuell unter mangelnder Verlässlichkeit, Stellenkürzungen und falschen Weichenstellungen. Das Planstellenzuweisungsverfahren wurde ausgesetzt und durch willkürliche Stellenzuweisungen ersetzt. Bewährte Bildungsgänge wie die Berufsfachschule I wurden kurzfristig abgeschafft, die Zukunft der Berufsschule III ist ungewiss. In den Ausbildungsvorbereitungsklassen sollen sich künftig mehr Schüler:innen treffen, die in ihrer bisherigen Schulkarriere auf unterschiedlichste Hemmnisse gestoßen sind.

Gerade in Ausbildungsvorbereitungsklassen treffen junge Menschen mit sehr unterschiedlichen Bildungsbiografien, Lebensrealitäten und Unterstützungsbedarfen aufeinander. Eine Erhöhung der Klassenfrequenzen bei gleichzeitiger Kürzung von Unterstützungsangeboten ist bildungspolitisch verantwortungslos. Insbesondere der Abbau von Stellen im Bereich Deutsch als Zweitsprache verschärft bestehende Ungleichheiten. Wer Integration ernst meint, muss in Sprachförderung, multiprofessionelle Teams und individuelle Begleitung investieren - nicht sparen. Das funktioniert nur mit individuellen Coachings und kleinen Klassen – nicht mit Kürzungen, insbesondere im Bereich Deutsch als Zweitsprache (DaZ).

Ein Masterplan, der die Zukunft der dualen Ausbildung im Land stabilisieren sollte, steht aufgrund unzureichender Finanzierung bereits jetzt auf der Kippe.

Unsere Ideen:
  • Stärkung der beruflichen Orientierung an den allgemeinbildenden Schulen. Flächendeckende Praxisklassen an Gemeinschaftsschulen sowie Orientierung in nicht akademischen Berufsfeldern auch an Gymnasien.
  • Mehr Ressourcen dort einsetzen, wo die Gefahr von Ausbildungsabbrüchen am größten ist. Im Übergang von der Schule in den Beruf lohnt es sich, individuell zu fördern und auch zweite und dritte Chancen zu eröffnen. Die Jugendberufsagenturen können hier wertvolle Unterstützung leisten, verfügen in Schleswig-Holstein jedoch noch lange nicht über die Möglichkeiten der JBA in Hamburg.
  • Verlässliche Umsetzung des Masterplans bei gleichzeitiger Stärkung und Ausweitung der sogenannten Basisberufe. Das sichert Ausbildungsmöglichkeiten für junge Menschen im ganzen Land. Auch in der Ausbildungsvorbereitung kann eine berufliche Schule vor allem die Berufe vermitteln, in denen sie später selbst ausbildet.
  • Wir bekennen uns klar zur Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung. Berufliche Schulen sind keine Restoption, sondern ein zentraler Ort von Bildung, Integration und gesellschaftlicher Teilhabe. Diese Haltung muss sich in der Ressourcenverteilung, der öffentlichen Kommunikation und der Schulpolitik des Landes widerspiegeln.