Ein solidarisches Gesundheitssystem in jeder Lebensphase

Aus Beschlussdatenbank der SPD Schleswig-Holstein
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Gremium: Landesparteirat
Sitzung: Landesparteiratssitzung, Mai 2026
Bezeichnung: G01
Antragsteller: Landesvorstand


Beschluss: Angenommen


Ein solidarisches Gesundheitssystem in jeder Lebensphase

Der Zugang zur Gesundheitsversorgung prägt unser Leben und unsere Chancen. Ein gerechtes Gesundheitssystem entscheidet darüber, ob Menschen am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, ob Kinder gesund aufwachsen, Jugendliche ihre Potentiale entdecken und Erwachsene ihre Arbeit bewältigen können, Familien und Angehörige entlastet werden und ältere oder kranke Menschen in Würde leben und sterben können.

Wir wollen ein gerechtes Gesundheitssystem, das gleichwertige Lebensbedingungen in der Stadt und auf dem Land schafft, das Chancen nicht nach sozialer Herkunft verteilt und das Menschen unabhängig von Geschlecht, Alter, Herkunft, Behinderung und anderen Merkmalen respektvoll und bestmöglich behandelt. Wir wollen, dass dieses System stabil, solidarisch und zukunftsfähig ist und dass Menschen nicht erst dann merken, wie wichtig Gesundheitsversorgung für sie ist, wenn sie fehlt. Wir wollen, dass sie da ist: für jedes Lebensalter, jede Lebenslage und an jedem Ort in Schleswig-Holstein. Darum kämpfen wir für ein Gesundheitssystem, das niemanden allein lässt und allen Menschen ein gutes, selbstbestimmtes Leben ermöglicht, von der Geburt bis zum letzten Atemzug.

Eine gleichwertige Gesundheitsversorgung in den Regionen und ein breites Angebot sind wichtige Faktoren für soziale Gerechtigkeit. Um das zu erreichen, müssen wir gezielt in die medizinische Infrastruktur, Fachkräfte, Ausbildung sowie digitale und präventive Angebote investieren, damit alle Menschen den gleichen Zugang zu einer sehr guten medizinischen Versorgung erhalten. Eine hochwertige Gesundheitsversorgung ist für uns kein Privileg, das nur wenige nutzen können, sondern eine gemeinschaftlich getragene Aufgabe, die allen zugänglich ist.

Wir müssen gezielt in medizinische Infrastruktur, Fachkräfte, Ausbildung, Digitalisierung, Prävention und Krisenvorsorge investieren, damit alle Menschen den gleichen Zugang zu einer sehr guten medizinischen Versorgung erhalten – auch in der Zukunft. Denn Gesundheitsversorgung ist kritische Infrastruktur. Sie muss als verlässlicher Anker in Pandemien, bei Extremwetterereignissen, Großschadenslagen und bei Ausfällen zentraler Infrastruktur handlungs- und funktionsfähig bleiben.

Gesundheitsversorgung als sicherer Anker von Geburt an

Wenn in Schleswig-Holstein ein Kind geboren wird, beginnt nicht nur ein neues Leben, sondern auch unsere Verantwortung für seine Gesundheit. Eine positive Geburtserfahrung kann tief berühren, stärken und die Verbindung innerhalb der Familie festigen. Sie fördert das körperliche und seelische Wohlbefinden der Gebärenden und ihres Umfelds. Für das Kind ist sie der erste Schritt in eine sichere Bindung. In dieser emotionalen und sensiblen Zeit wünschen sich werdende Eltern Sicherheit und ein Gefühl von Aufgehobensein, eine möglichst große Nähe zu vertrauten Strukturen sowie Hebammen und medizinisches Personal mit ausreichend Zeit und Ressourcen, um  diesen intimen Moment der Geburt professionell und fürsorglich zu begleiten.

Die Realität sieht in Schleswig-Holstein oft anders aus. In den letzten zehn Jahren wurden mehr als die Hälfte aller geburtshilflichen Stationen im Land geschlossen, weitere stehen unter Druck. Die Wege zum Kreißsaal sind weiter geworden und nicht immer steht eine Hebamme zur Vor- und Nachsorge zur Verfügung.

Die Geburt ist der erste Kontakt eines Menschen mit dem Gesundheitssystem. Eine Politik, die für die Menschen da ist, muss dafür sorgen, dass dieser Start gut gelingt. Eine qualitativ hochwertige, auf die Bedarfe der Schwangeren fokussierte Begleitung und geburtshilfliche Versorgung sind dabei entscheidend. Geburtsstationen in erreichbarer Nähe, eine verlässliche Hebammenversorgung vor, während und nach der Geburt und eine stabile Finanzierung der geburtshilflichen Strukturen sind dafür unverzichtbar. Nicht jedes Kind kommt gesund zur Welt und manche sterben noch vor der Geburt oder kurz danach. Familien, die das durchleiden müssen, brauchen eine schnelle und bedarfsgerechte Unterstützung.

Doch unterfinanzierte Krankenhäuser, ein Investitionsstau und eine fehlende bedarfsgerechte Krankenhausplanung bedrohen genau dieses Fundament: Das betrifft werdende Eltern ebenso wie alle anderen Schleswig-Holsteiner*innen, die meist nicht in großen Städten, sondern auf den Inseln, Halligen und im ländlichen Raum leben.

Eine schleichende Reduzierung von Versorgungsangeboten und Schließung von Kliniken sowie die daraus folgende Ausdünnung von Versorgungsmöglichkeiten in der Fläche sind inzwischen nicht mehr abzustreiten. Wir kämpfen dafür, diesen ungeplanten Strukturwandel in Schleswig-Holstein zu beenden. Dafür wollen wir die Krankenhausversorgung sichern, die Umsetzung der Krankenhausreform in Schleswig-Holstein eng begleiten und aktiv gestalten und dabei die Bedarfe der Patient*innen in den Mittelpunkt einer Krankenhausplanung stellen. Eine wohnortnahe stationäre Grund- und Regelversorgung muss im ganzen Land gewährleistet sein. Das gehört für uns zur Daseinsvorsorge.

Die laufende Neuordnung der Notfall- und Rettungsdienststrukturen im Rahmen des Rettungsdienstgesetzes Schleswig-Holstein müssen wir aktiv begleiten. Entscheidend ist eine bessere Steuerung der Patient*innen, damit Menschen mit akuten, aber nicht lebensbedrohlichen Beschwerden schnell in die passende ambulante oder sektorenübergreifende Versorgung gelangen und Rettungsdienst sowie Krankenhausnotaufnahmen für echte Notfälle entlastet werden. Hierfür werden wir uns auch bei der Reform der Notfallversorgung im Bund einsetzen.

Wir wollen

·        den Erhalt einer flächendeckenden Geburtshilfe auch in ländlichen Regionen, damit werdende Eltern ihre Kinder sicher und ohne lange Anfahrtswege zur Welt bringen können.

·        Betreuungs-, Hilfs- und Versorgungsangebote jeder Art müssen bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (ambulant und stationär) flächendeckend, wohnortnah und barrierearm für alle Schwangeren und Familien zugänglich sein. Das Land setzt sich für ein Sicherstellungskonzept für die geburtshilfliche Versorgung ein.

·        eine hochwertige geburtshilfliche Versorgung, die sich an klaren Qualitätsstandards und angemessenen Personalbemessungen orientiert. Die Einführung eines Personalschlüssels für eine 1:1 Betreuung durch Hebammen während der Geburtsphase ist unser Ziel.

·        die Kaiserschnittrate in Schleswig-Holstein senken.

·        die Arbeitsbedingungen für freiberuflich tätige Hebammen verbessern.

·        Lösungen zur Refinanzierung der Geburtshilfe inklusive Vorhaltekosten weiterentwickeln, sodass Schließungen von Geburtshilfestationen aus wirtschaftlichen Gründen verhindert werden.

·        die Umsetzung der Krankenhausreform aktiv gestalten, damit sich die Behandlungsqualität für die Patient*innen weiter verbessert. Die Umsetzung soll den besonderen Anforderungen an die Versorgung in einem Flächenland mit Inseln und Halligen gerecht werden. Belegkrankenhäuser dürfen nicht gefährdet werden und müssen erhalten bleiben.

·        eine Krankenhausplanung, die sich an den Bedarfen der Bevölkerung orientiert und nicht nach den reinen Wünschen der Klinikträger. Dazu sollte es auch eine Abstimmung mit den Nachbarbundesländern geben.

·        gesicherte Investitionen in die Krankenhäuser, damit notwendige Umbauten und Modernisierungen endlich umgesetzt werden können.

·        eine personelle Ausstattung der Krankenhäuser, die sich an Patient*innen und fachlichen Bedarfen orientiert.

·        die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum durch sektorenübergreifende Versorgungseinrichtungen stärken.

·        regelmäßige regionale Gesundheitskonferenzen durchführen, um die Strukturen der Gesundheitsversorgung an die Bedarfe anzupassen.

·        das UKSH zukunftsfähig, digital und stärker vernetzt aufstellen. Es ist unverzichtbar für die medizinische Maximalversorgung in Norddeutschland, für Forschung, Innovation sowie für die medizinische, pflegerische und therapeutische Ausbildung in Schleswig-Holstein. Die Sicherstellung der Leistungsfähigkeit unseres eigenen Maximalversorgers muss mit einer deutlichen Stärkung digitaler Prozesse, telemedizinischer Angebote, sektorenübergreifender Kooperationen und einer besseren Anbindung an regionale Versorgungsstrukturen verbunden werden.

·        die Notrufnummer 112, die Nummer des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 und die Termin-Service-Stelle der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein technisch und organisatorisch besser vernetzen. In einer gemeinsamen Leitstruktur kann die verbindliche, qualitätsgesicherte Ersteinschätzung und Weiterleitung in die jeweils passende Versorgung am besten funktionieren.

·        die digitale Ersteinschätzung von Patient*innen ausbauen, um ihre Versorgung bedarfsgerechter zu steuern.

·        ein Pilotprojekt für eine/n Gemeinde-Notfallsanitäter*in Schleswig-Holstein durchführen.

Gesundheitsversorgung soll Menschen Sicherheit geben und Zeit für Zuwendung lassen – beides darf nicht wirtschaftlichem Druck untergeordnet sein. Wir wollen eine stationäre Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein, die an den tatsächlichen Bedarfen und Bedürfnissen der Menschen ausgerichtet ist, aktiv gestalten und dafür Verantwortung übernehmen.

Die Kindheit stellt Weichen für das weitere Leben

Nach der Geburt beginnt eine Phase des Lernens und Wachsens. Nicht alle Kinder haben aber dafür die gleichen Voraussetzungen. Die Chancen auf ein gesundes Aufwachsen sind nach wie vor ungleich verteilt. Kinder, deren Familien von Armut betroffen sind, haben ein höheres Risiko für Bewegungsmangel, chronische Krankheiten, psychische Belastungen und eine schlechte Ernährung. Daher setzen wir uns für eine sozial gerechte Gesundheitspolitik ein, die frühzeitig die Weichen für ein gesundes Leben stellt.

Ein funktionierendes Netz aus Kinderärzt*innen, Präventionsprogrammen, Gesundheitsfachkräften in Kitas und Schulen sowie einer starken öffentlichen Gesundheitsstruktur ist darum unerlässlich, um Kindern gerechte Chancen zu eröffnen. Die Stärkung der Kindergesundheit ist auch ein Beitrag zu Bildungsgerechtigkeit. Gesundheitsförderung und Prävention sind daher wichtige Bestandteile unserer Politik. Wir setzen uns dafür ein, dass Prävention frühzeitig beginnt und alle Menschen, unabhängig von Alter, Bildungsbiografie, finanziellen Ressourcen, Herkunft oder Behinderung erreicht.

Mit dem Eintritt in die Schule verändert sich die Lebenswelt eines Kindes grundlegend. Lernen, soziale Beziehungen und die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit prägen diese Zeit. Kinder brauchen optimale Voraussetzungen, um konzentriert zu lernen, aktiv teilzunehmen und eigene Potentiale zu entdecken. Insbesondere für Kinder mit psychischen oder chronischen Erkrankungen können auf diese Weise Nachteile ausgeglichen werden. Viele Gesundheitsprobleme treten in der Schulzeit erstmals sichtbar auf: Sehstörungen, psychische Belastungen, Bewegungsmangel oder Übergewicht. Hinzu kommen Folgen der Pandemiezeit, die bis heute spürbar sind. Schulen brauchen deshalb feste Ansprechpartner*innen für die Gesundheitsförderung.

Wir wollen

·        Schuleingangsuntersuchungen für alle Kinder – vollständig und ohne Ausnahmen mit einem einheitlichen Qualitätsstandard.

·        die Veröffentlichung von Ergebnissen der Untersuchungen der Kinder- und Jugendgesundheitsdienste und der Zahnärztlichen Dienste in Schleswig-Holstein in dem Schuljahr, für das die Untersuchungen stattgefunden haben. Aus diesen Ergebnissen müssen Schlussfolgerungen zur Verbesserung der Kindergesundheit und Bildungsgerechtigkeit gezogen und Maßnahmenpläne erstellt werden.

·        uns für eine bedarfsgerechte Versorgung mit Kinder- und Jugendärzt*innen in allen Regionen von Schleswig-Holstein einsetzen.

·        die Wartezeiten auf einen Therapieplatz für psychisch erkrankte Kinder und Jugendliche verkürzen, indem wir für eine zeitgemäße Bedarfsplanung von Psychotherapeut*innen, insbesondere für Kinder und Jugendliche, stark machen. Außerdem sind ausreichend Plätze in der stationären Kinder- und Jugendpsychiatrie vorzuhalten.

·        die feste Verankerung von „Schulgesundheitsfachkräften“, die präventiv arbeiten und die gesundheitliche Chancenungleichheit reduzieren. Als spezialisierte Pflegefachpersonen übernehmen sie an Grund- und weiterführenden Schulen die Gesundheitsversorgung, Gesundheitsförderung und Prävention. Sie versorgen Kinder bei akuter Erkrankung und leisten Erste Hilfe bei Unfällen, unterstützen chronisch kranke und/oder behinderte Kinder und informieren und beraten sowohl Kinder als auch Eltern und Lehrkräfte.

·        uns für die Stärkung der Pflegeausbildung in der Pädiatrie auf Landes- und Bundesebene einsetzen.

·        regionale Präventionsnetzwerke, die Bewegung, Ernährung und mentale Gesundheit systematisch fördern.

·        Programme für gesunde Ernährung in Kitas und Schulen fördern.

·        eine Herstellerabgabe auf besonders zuckerhaltige Lebensmittel (sog. „Zuckersteuer“) und setzen uns dafür auf Bundesebene ein. Übermäßiger Zuckerkonsum beginnt meist schon in der Kindheit mit weitreichenden Folgen (wie Diabetes und Karies) für das weitere Leben.

Jedes Kind hat ein Recht darauf, dass wir seine Gesundheit und ein gesundes Aufwachsen fördern. Wer sich hierfür stark macht, verbessert langfristig Bildungs-, Gesundheits- und Lebensperspektiven unserer Kinder. Die Gesundheitsversorgung von Kindern und Jugendlichen muss sich an ihren Bedürfnissen orientieren.

Gleiche Chancen auf Gesundheitsversorgung – unabhängig vom Wohnort: Starke Strukturen für alle Regionen in Schleswig-Holstein

Die Versorgung von Menschen besonders in ländlichen und strukturschwachen Regionen zu verbessern, ist ein wichtiges Ziel einer gerechten Gesundheitspolitik. In einigen Regionen gibt es wenig Haus-, Kinder- oder Fachärzt*innen. Und der demografische Wandel zeigt sich auch hier: In den nächsten Jahren gehen viele Hausärzt*innen in den Ruhestand. Oft finden sie keine Nachfolge für ihre Praxen. All das hat direkte Auswirkungen auf die Menschen, ihren Alltag und auf Teilhabegerechtigkeit und Chancen. Die Sicherstellung der Daseinsvorsorge ist eine Grundlage, um gleichwertige Lebensbedingungen zu ermöglichen. Wir unterstützen daher auch die Pläne zur Stärkung der Primärversorgung auf Bundesebene, mit der eine bedarfsgerechte Versorgung innerhalb des Gesundheitssystems sichergestellt und die Koordination der Patientenversorgung verbessert werden soll.

Wir wollen

·        eine Weiterentwicklung der Bedarfsplanung der ambulanten Versorgung, die sich an den tatsächlichen Patienten*innenzahlen bemisst und den Blick über Ländergrenzen wagt.

·        ein sektorübergreifendes Konzept, um Bedarfe an Ärzt*innen, insbesondere der Allgemeinmedizin und Kinder- und Jugendmedizin, zukünftig zu decken.

·        ein Landesförderprogramm für Medizinische Versorgungszentren in kommunaler Trägerschaft dort, wo die ambulante Versorgung nachweislich gefährdet ist und die Sicherstellung vor Ort trotz Prüfung und Ausschöpfung geeigneter Instrumente der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), einschließlich KV-Eigeneinrichtungen, nicht gewährleistet werden kann. Kommunale MVZ sollen gezielt Versorgungslücken schließen. Hier können auch Angebote wie Hebammen, Therapeut*innen oder ein Gemeindeorientiertes Pflegemanagement verortet sein. Grundlage müssen regionale Bedarfsanalysen, Transparenz über Versorgungslücken und eine enge Abstimmung mit Kommunen, KVSH und Krankenkassen sein.

·        Haus- und Kinderärzt*innen als Lots*innen: Patient*innen sollen künftig primär über Haus- oder Kinderärzt*innen in die Versorgung gelangen.

·        Telemedizin und digitale Ersteinschätzung ausbauen: Die flächendeckende Einführung entlastet Praxen und verbessert die Patientensteuerung.

·        die psychotherapeutischen Behandlungsangebote mit allen Akteuren ausbauen, um Wartezeiten auf einen Therapieplatz zu verkürzen.

·        Regelmäßige regionale Pflegekonferenzen mit allen Akteur*innen vor Ort, um Versorgungslücken rechtzeitig zu identifizieren.

·        die Wiedereinsetzung des Versorgungssicherungsfonds, den die Landesregierung auslaufen lässt und der Projekte zur Förderung von ambulanten, stationären und sektorenübergreifenden Gesundheitsangeboten ermöglicht.

·        Konzepte und Maßnahmen gemeinsam mit den Akteur*innen erarbeiten, um attraktive Arbeitsmodelle für Ärzt*innen zu schaffen und um die vernetzte medizinische und pflegerische Grundversorgung auszubauen, z.B. durch die Gründung von Gesundheitsgenossenschaften und die Schaffung von Gesundheitsregionen.

·        die Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung mit mehr allgemeiner Gesundheitsbildung, leicht zugänglichen, verständlichen, barrierefreien und mehrsprachigen Gesundheitsinformationen verbessern. Die Schaffung bzw. Förderung neuer Berufe, wie kommunale Gesundheitsfachkräfte und akademische Pflege, soll Versorgung in den Kommunen verbessern und die Menschen vor Ort direkt unterstützen. Dabei sollen insbesondere Menschen mit Behinderungen, chronischen Erkrankungen, Migrationsgeschichte, Sprachbarrieren oder Diskriminierungserfahrungen besser erreicht werden.

·        einen starken Öffentlichen Gesundheitsdienst (ÖGD) der dauerhaft personell und finanziell gesichert wird. Dazu gehören moderne digitale Meldewege, verlässliche Gesundheitsberichterstattung, ausreichend Kapazitäten für Prävention, Infektionsschutz, Schuleingangsuntersuchungen, Gesundheitsplanung und Krisenkoordination. Auf Bundesebene setzen wir uns für eine Verstetigung der Finanzierung nach dem ÖGD-Pakt ein.

·        eine priorisierte und verbindliche Umsetzung der Landespräventionsstrategie, die derzeit im Rahmen des Strategieforums Prävention und des Gesundheitszieleprozesses entwickelt wird. Dabei sollte Schleswig-Holstein auch von Erfahrungen anderer Bundesländer lernen, etwa von BadenWürttembergs Health-in-All-Policies-Ansatz. Insbesondere müssen kommunale Gesundheitsangebote gestärkt sowie präventive und gesundheitsfördernde Strukturen in Bildungseinrichtungen, Betrieben und sozialen Räumen ausgebaut werden. Dafür wird es auch adäquaten Finanzierungszusagen des Landes bedürfen.

·        Barrierefreiheit in der Gesundheitsversorgung muss baulich, sprachlich, digital und kommunikativ mitgedacht werden. Medizinische Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB), Sozialpädiatrische Zentren (SPZ) und vergleichbare spezialisierte Versorgungsstrukturen wollen wir sichern und bedarfsgerecht weiterentwickeln. Übergänge zwischen Kinder- und Erwachsenenversorgung, Eingliederungshilfe, Pflege und psychosozialer Unterstützung müssen besser gestaltet werden. Kultursensible Ansprache, mehrsprachige Informationen und diskriminierungssensible Strukturen gehören zu barrierearmer Versorgung dazu.

·        einen ressortübergreifenden, kommunal umsetzbaren Hitzeaktionsplan für Schleswig-Holstein, der Schutzmaßnahmen für besonders gefährdete Gruppen enthält, insbesondere für Kinder, ältere Menschen, Menschen mit Behinderungen, chronisch Kranke, Pflegebedürftige, wohnungslose Menschen und Menschen in Einrichtungen. So werden unser Land und die Menschen auf die Auswirkungen zunehmender Hitzeperioden und Trockenheit durch den Klimawandel vorbereitet.

Eine gute ambulante Gesundheitsversorgung darf nicht vom Wohnort abhängig und muss flächendeckend gewährleistet sein. Schleswig-Holstein braucht eine Gesundheitsversorgung, die unsere speziellen Anforderungen an die Versorgung in einem Flächenland mit Inseln und Halligen gerecht wird.

Gerechte Medizin für alle: Wie wir geschlechtergerechte Gesundheitsversorgung in Schleswig-Holstein umsetzen wollen

Geschlechtersensible Medizin ist ein notwendiger Schritt zu einer gerechteren Gesundheitsversorgung. Sie erkennt an, dass Frauen in vielen Bereichen medizinisch schlechter versorgt, später diagnostiziert oder weniger ernst genommen werden. Frauenherzen schlagen anders und darauf einzugehen, rettet Leben. Forschung, Diagnostik und Therapie waren lange zu stark an männlichen Normkörpern orientiert. Frauen berichten häufiger von nicht ernst genommenen Symptomen, verspäteten Diagnosen oder unzureichender Information über mögliche Komplikationen. Das hat Folgen, etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen, Schmerz, Medikamentenwirkungen, Endometriose, Geburtshilfe und psychischer Gesundheit. Ein modernes Gesundheitssystem darf das nicht hinnehmen.

Zugleich darf geschlechtersensible Medizin nicht auf Frauengesundheit verkürzt werden. Auch Männer haben in vielen Bereichen schlechtere Gesundheits-Outcomes, etwa bei Lebenserwartung, Suizid, riskantem Gesundheitsverhalten, späterer Inanspruchnahme von medizinischer Hilfe sowie bei bestimmten arbeitsbedingten Belastungen. Ebenso müssen die Gesundheitsbedarfe von trans, inter und nichtbinären Menschen ausdrücklich berücksichtigt werden. Sie erleben häufiger Diskriminierung, Versorgungslücken, fehlende Fachkenntnis, psychische Belastungen und Barrieren beim Zugang zu respektvoller medizinischer Versorgung. Geschlechtersensible Medizin bedeutet deshalb genauere, bessere und gerechtere Medizin für alle Geschlechter.

Wir haben uns in den letzten Jahren politisch für die Verankerung und Stärkung der geschlechtersensiblen Medizin in Schleswig-Holstein eingesetzt. Die geschlechterbedingten Versorgungsunterschiede bestehen jedoch nach wie vor. Mit der gezielten Förderung der geschlechtersensiblen Medizin wird die Gesundheitsversorgung für alle Geschlechter verbessert, werden Forschungslücken geschlossen und wird ein Beitrag zur Chancengleichheit geleistet.

Auch das Thema Geburtshilfe hat viele gendermedizinische Facetten, denn selbst dort gibt es Hinweise, dass medizinisches Wissen lange zu stark an männlichen Normkörpern ausgerichtet war. Frauen berichten häufiger von nicht ernst genommenen Symptomen, verspäteten Diagnosen oder unzureichender Information über mögliche Komplikationen. Ein modernes Gesundheitssystem darf das nicht hinnehmen. Mit der gezielten Förderung der geschlechtersensiblen Medizin wird die Gesundheitsversorgung für alle Geschlechter verbessert, werden Forschungslücken geschlossen und ein Beitrag zur Chancengleichheit geleistet.

Dabei muss geschlechtersensible Gesundheitsversorgung Menschen unabhängig von Geschlechtsidentität, sexueller Orientierung oder Familienmodell gleichberechtigt berücksichtigen. Dazu gehören auch diskriminierungsfreie Versorgungs-, Dokumentations- und Abrechnungssysteme sowie eine Gesundheitsversorgung jenseits cis- und heteronormativer Standards.

Wir wollen

·        die Gesundheitsdaten im Land nach Geschlecht differenziert erfassen und auswerten und die Gesundheitsberichterstattung des Landes in Bezug auf das Thema Gender Data Gap weiter schärfen.

·        Forschungsprojekte zu geschlechtsspezifischen Unterschieden in Diagnostik, Therapie und Prävention fördern.

·        uns für die Anpassung von Lehrplänen in allen akademischen und nicht akademischen Gesundheitsberufen einsetzen, so dass für die Behandlung unterschiedliche Geschlechter und Geschlechtsidentitäten schon in der Ausbildung sensibilisiert wird.

·        einen Lehrstuhl für geschlechtersensible Medizin in Schleswig-Holstein einrichten, um dauerhaft die geschlechtersensible Forschung und Lehre in der Medizin in Schleswig-Holstein zu verankern. Die jetzige Landesregierung hat diesen Vorschlag abgelehnt.

·        eine Kampagne, um Menschen über die Unterschiedlichkeit von Symptomen aufzuklären und so Leben zu retten.

·        das Recht von Schwangeren auf einen Schwangerschaftsabbruch in Schleswig-Holstein flächendeckend sichern.

·        Reproduktive und sexuelle Gesundheit muss inklusiv gedacht werden. Dazu gehören ein diskriminierungsfreier Zugang zu Vorsorge, Kinderwunschbehandlungen und Reproduktionsmedizin sowie Prävention, Beratung und Versorgung im Bereich sexuell übertragbarer Erkrankungen.

Ob eine Krankheit erkannt, ein Symptom ernst genommen oder ein Medikament korrekt verordnet wird, darf nicht vom Geschlecht der erkrankten Person abhängen. Die Stärkung von Strukturen der gendersensiblen Medizin kann Leben retten.

Post COVID und Long COVID: Betroffene nicht allein lassen, sondern Versorgung stärken und Forschung fördern

Viele Menschen in Schleswig-Holstein stehen heute vor einer Erkrankung, die ihr Leben tiefgreifend verändert hat und deren Auswirkungen noch vor einem Jahrzehnt kaum vorstellbar waren: Long Covid oder Post Covid. Etwa die Hälfte aller Fälle ist mit ME/CFS (Myalgische Enzephalomyelitis/Chronisches Fatigue-Syndrom) verbunden, einer neuroimmunologischen Erkrankung, die mit anhaltender Erschöpfung einhergeht. Viele Menschen, insbesondere Frauen im erwerbsfähigen Alter, sind von dieser Krankheit betroffen. Sie führt zu beruflichen Einschränkungen, sozialer Isolation und langen Leidenswegen.

Wer an Post Covid oder Long Covid erkrankt, findet bis heute oft keine spezialisierte Behandlung und erlebt eine unzureichende Versorgungssituation. Für viele Betroffene bedeutet die Erkrankung den Verlust ihrer Lebensplanung, ihrer beruflichen Perspektiven und sozialer Teilhabe.

Wir wollen

·        die bedarfsgerechte Versorgung von Post-Covid-Patient*innen durch interdisziplinäre Versorgungsstrukturen und Versorgungsregionen deutlich ausbauen. Durch ein strukturiertes Betreuungsprogramm sollen Menschen, die nach einer Infektion anhaltend krank bleiben, frühzeitig und umfassend versorgt werden. Dazu wollen wir Fördergelder bereitstellen.

·        Stationäre Aufenthalte mit Rücksicht auf Reizarmut ermöglichen und dafür mit den Krankenhäusern ins Gespräch gehen.

·        eine gezielte Förderung der Forschung zu Post-Covid auch auf Landesebene unterstützen. Aufklärungskampagnen zu den Krankheitsbildern für alle Beteiligten im Gesundheits-, Sozial- und Bildungssystems.

·        eine Sichtbarmachung der Betroffenen und ihrer Leidenswege, um gesellschaftlich zu sensibilisieren.

Menschen haben ein Recht auf Würde. Das bedeutet auch, dass sie und ihre Erkrankungen ernstgenommen werden. Eine solidarische Gesellschaft sorgt dafür, dass das Gesundheitssystem Schwerstkranke ebenso im Blick hat, wie alle anderen.

Ohne Fachkräfte geht es nicht - Wie wir dem Fachkräftemangel im Gesundheitssektor entgegentreten

Rund 219 400 Menschen waren Ende 2023 in Schleswig-Holstein im Gesundheitssystem beschäftigt – einem Gesundheitssystem, das zunehmend unter Druck steht. Fachkräftemangel, überlastete hausärztliche Praxen und unterfinanzierte Krankenhäuser beeinflussen sowohl die Versorgung der Patient*innen als auch die Arbeitsbedingungen derjenigen, die in diesem System arbeiten. Vor allem in der Pflege hat sich die Situation in den letzten Jahren immer weiter verschärft. Pflegekräfte arbeiten unter enormen Belastungen – mit gravierenden Folgen für ihre eigene Gesundheit.

Wir wollen

·        eine verbindliche Personalbemessung im Krankenhaus, die den tatsächlichen Bedarf abbildet.

·        präventive Programme gegen psychische Belastungen am Arbeitsplatz, besonders in Gesundheits- und Pflegeberufen.

·        den Pakt für Gesundheits- und Pflegeberufe weiterentwickeln

·        eine schnellere, transparente und unbürokratischere Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse in Gesundheitsberufen, ohne Abstriche bei Patient*innensicherheit, fachlicher Qualität und notwendigen Sprachkompetenzen. Anerkennungsverfahren, Anpassungsqualifizierungen und Berufseinstieg müssen besser unterstützt und beschleunigt werden.

·        die Ausbildung der therapeutischen Berufe in Schleswig-Holstein sichern und stärken. Wir setzen uns zudem für eine Ausbildungsvergütung in diesen Berufen ein, um diese Ausbildung attraktiv zu gestalten.

·        den Ausbau und die Ausbildung neuer Berufsrollen wie „Community Health Nurses“, um Praxen und Kliniken zu entlasten, pflegerische Versorgung in den Regionen zu organisieren und die medizinische Versorgung in Quartieren zu unterstützen.

·        die Bundesregierung dabei unterstützen, die Ausbildung zur Pflegeassistenz zu einer generalisierten Ausbildung weiterzuentwickeln.

·        die Handlungsautonomie von Pflegefachpersonen stärken, die akademische Pflege forcieren und eigenständige pflegerische Verantwortungsbereiche konsequent ausbauen. Pflege ist eine eigenständige Profession auf Augenhöhe und muss als solche deutlicher wahrgenommen werden. Durch die Übertragung von heilkundlichen Aufgaben und erweiterten klinischen Kompetenzen ermöglichen wir die Einbindung der Pflege in die Sicherung moderner, multiprofessionelle Versorgung.

·        uns auf Bundesebene, weiter für die Absicherung der psychotherapeutischen Weiterbildung einsetzen.

·         alle drei Jahre einen Bericht zur Entwicklung der Gesundheitsberufe in Schleswig-Holstein, in dem Kennzahlen und Einschätzungen zur Entwicklung und Situation der Ausbildungs- und Fachkräftebedarfe sowie Ausbildungskapazitäten in Schleswig-Holstein im Kontext der demographischen Entwicklung und der Versorgungsstrukturen abzulesen sind.

·        auf Bundesebene eine Initiative anstoßen, wie gesundheitlich besonders belastende Tätigkeiten in Pflege- und Gesundheitsberufen besser abgesichert werden können. Dazu gehören eine bessere Umsetzung des präventiven Arbeits- und Gesundheitsschutzes, bessere Arbeitsbedingungen, Entlastung im Berufsverlauf, flexible Übergänge aus besonders belastenden Tätigkeiten sowie eine faire rentenrechtliche Bewertung besonderer Belastungen. Menschen, die über viele Jahre unter hoher körperlicher oder psychischer Belastung arbeiten, dürfen beim Übergang in den Ruhestand nicht zusätzlich benachteiligt werden.

·        Konzepte dazu, wie Berufsgruppen, die Hausärzt*innen unterstützen, in ihrer Ausbildung gefördert werden und wie dazu das Weiterbildungsnetzwerk für Allgemeinmedizin und der Weiterbildungsverbund Pädiatrie Schleswig-Holstein weiter gestärkt werden können.

·         der steigenden Zahl der Pflegeschulen Rechnung tragen und das Budget für die Ausbildungsstätten erhöhen.

Ein solidarisches Gesundheitssystem darf nicht auf der Selbstausbeutung seiner Beschäftigten beruhen. Gute Versorgung braucht gute Arbeitsbedingungen.

Würde, Sicherheit und Versorgung im Alter

Älterwerden bedeutet weit mehr als die Zunahme von Einschränkungen – es ist eine aktiv gestaltbare Lebensphase. Eine moderne Gesundheitspolitik darf nicht erst auf Pflegebedürftigkeit reagieren. Sie muss Selbstbestimmung, Teilhabe und Lebensqualität sichern, indem sie insbesondere bei chronischen Erkrankungen und Mehrfacherkrankungen durch frühzeitige Prävention und gezielte Unterstützung proaktiv ansetzt. Unser Ziel ist es, die Rahmenbedingungen so zu setzen, dass Menschen trotz gesundheitlicher Herausforderungen so lange wie möglich autonom in ihrem vertrauten Umfeld leben können.

Pflegende Angehörige übernehmen einen wichtigen Teil der Pflegeleistungen in Deutschland. Sie benötigen mehr finanzielle und strukturelle Unterstützung. Eine unerwartete Diagnose oder ein Unfall verändern den Alltag schlagartig, nahe Angehörige werden älter und brauchen mehr Unterstützung oder man selbst wird pflegebedürftig: Plötzlich rücken andere Lebensrealitäten in den Vordergrund. Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Pflege – oder überhaupt die Kraft zu finden, alles unter einen Hut zu bringen – wird zu einer besonderen Herausforderung. Und Gesundheit, medizinische Versorgung oder Pflege nehmen plötzlich einen Raum im Alltag ein. Angehörige brauchen ein System, das sie auffängt und unterstützt.

Wir wollen

·        eine umfassende Landespflegestrategie, die Fachkräftesicherung, Wohnformen, akademische und berufliche Pflege, Angehörigenunterstützung, Teilhabe, Prävention und soziale Unterstützungsstrukturen zusammenführt. Die meisten Menschen werden im Alter von Angehörigen gepflegt, doch Alterspflege darf nicht auf private Sorgearbeit und Angehörigenpflege reduziert werden. Sie braucht professionelle Strukturen, die durch die Expertise der beruflichen und akademischen Pflege gestärkt werden, gute Arbeitsbedingungen, verlässliche ambulante und stationäre Angebote sowie eine stärkere Verzahnung mit der medizinischen und sozialen Versorgung.

·        den Aufbau regionaler Pflegekonferenzen, die Versorgungsengpässe frühzeitig erkennen und kommunale Lösungen erarbeiten.

·        dass Pflege bezahlbar wird und nicht in Armut führt. Wir werden uns auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass Pflegeheimbewohnende von Ausbildungskosten entlastet werden und die Eigenanteile in der stationären Pflege gedeckelt werden. Außerdem wollen wir für die Übernahme der Investitionskosten in Einrichtungen der stationären Altenpflege sorgen.

·        uns auf Bundesebene für die Einführung einer solidarischen Pflegebürgerversicherung einsetzen, die alle Menschen einbezieht und das System nachhaltig stabilisiert.

·        Projekte mit diversitätssensiblen Pflegeansätzen (transkulturelle Pflege, queere Pflege, …) fördern, um Menschen in Pflegeeinrichtungen ein würdiges Leben zu ermöglichen.

·        die Vor-Ort-für-Dich-Kraft als präventives und aufsuchendes Unterstützungsangebot schrittweise einführen. Sie soll ältere Menschen, Menschen mit Unterstützungs- oder Pflegebedarf sowie Angehörige frühzeitig erreichen, Selbstbestimmung stärken, Einsamkeit vorbeugen und den Verbleib im vertrauten Wohnumfeld erleichtern. Das Angebot soll multiprofessionell ausgestaltet werden und beruflich qualifizierte Pflegefachpersonen, akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen – insbesondere im Sinne von Community Health Nursing – sowie Sozialarbeiter*innen einbinden. Orientierung für präventive Hausbesuche bietet die Gemeindeschwesterplus in Rheinland-Pfalz; Orientierung für sektorenübergreifende Anlauf- und Koordinierungsstrukturen bietet das Gesundheitshaus Hamburg-Billstedt/Horn.

·        einen strukturellen Ausbau von Kurzzeitpflegeplätzen, um pflegende Angehörige zu entlasten.

·        den Ausbau von ambulanten Pflegeangeboten, die sowohl Betroffene als auch Angehörige unterstützen und Teilhabe sichern können.

·        den schleswig-holsteinischen Demenzplan weiterentwickeln. Unser Ziel ist es, Menschen, die von einer Demenz betroffen sind, ein möglichst selbstbestimmtes Leben in häuslicher Umgebung zu ermöglichen und ihre Angehörigen zu entlasten. Ein Fokus muss auf der Situation von Menschen mit Migrationsbiografie, Sprachbarrieren, auf Betroffene mit einer seltenen oder besonders frühen Form von Demenz und auf Menschen mit einer Doppel- oder Mehrfachdiagnose liegen, darum muss der Plan diversitätssensibel sein.

·        Maßnahmen auf Grundlage einer Bedarfsanalyse zur Förderung und Erweiterung psychotherapeutischer Angebote entwickeln.

·        kreative und inklusive Wohnformen fördern.

Eine Gesellschaft beweist ihre Menschlichkeit auch im Umgang mit älteren oder erkrankten Menschen. Pflege darf kein Armutsrisiko sein und kein System werden, das Angehörige überfordert.

Am Lebensende: Respekt und eine verlässliche Gesundheitsinfrastruktur

Das Lebensende ist wie der Lebensbeginn ein sensibler und emotionaler Abschnitt. Die Frage, ob ein Mensch in Würde sterben kann, sagt viel über den Zustand einer Gesellschaft aus. Palliativmedizin, stationäre und ambulante Hospizdienste, hausärztliche Betreuung und Pflege müssen Hand in Hand arbeiten und Betroffene ebenso wie Angehörige respekt- und würdevoll begleiten. Dafür braucht es ein dichtes Netz, das Menschen auffangen kann. Doch gerade in ländlichen Räumen ist dieses Netz noch immer ausbaufähig.

Durch unsere Initiative haben wir es geschafft, ein flächendeckendes stationäre Hospizangebot für Schleswig-Holstein zu schaffen. Daran wollen anknüpfen und auch die Versorgung von Kindern und Jugendlichen mit lebensverkürzenden Erkrankungen in den Fokus nehmen. Ein Hospiz für Kinder und Jugendliche ist nicht einfach ein Ort des Sterbens, sondern auch und vor allem ein Entlastungsangebot für betroffene Familie.

Wir wollen

·        die Hospiz- und Palliativversorgung für Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzenden Erkrankungen und ihre Familien in Schleswig-Holstein stärken. Dazu gehören die Bedarfsermittlung für ein stationäres Kinder- und Jugendhospiz, wohnortnahe ambulante palliativmedizinische Unterstützungsangebote, psychosoziale Begleitung und inklusive Angebote für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen oder komplexen Unterstützungsbedarfen.

·        Hospiz- und Palliativversorgung, hausärztliche Betreuung, Pflege, psychosoziale Begleitung und spezialisierte palliative Beratung besser miteinander vernetzen, insbesondere im ländlichen Raum. Menschen am Lebensende müssen Zugang zu guter Symptomkontrolle, Schmerztherapie, palliativer Versorgung, psychosozialer Unterstützung und Beratung über ihre Möglichkeiten selbstbestimmter Entscheidungen haben. Dabei ist das vom Bundesverfassungsgericht anerkannte Recht auf selbstbestimmtes Sterben zu achten; zugleich müssen Hospiz- und Palliativversorgung so gestärkt werden, dass Menschen nicht aus Angst vor Schmerzen, Einsamkeit oder fehlender Versorgung in eine Entscheidung gedrängt werden. Ziel ist, unnötige Krankenhauseinweisungen zu vermeiden und Menschen am Lebensende möglichst selbstbestimmt, angstfrei und würdevoll zu begleiten.

Jeder Mensch hat das Recht, den letzten Abschnitt seines Lebens in Würde, Sicherheit und mit menschlicher Zuwendung zu erleben.