Grundwert Arbeit für Frauen (1977)

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Gremium: Landesparteitag
Sitzung: Landesparteitag Bad Bramstedt 1977
Bezeichnung:
Antragsteller: Nicht aufgeführt


Beschluss: Angenommen

(Veröffentlicht in: „Zur Sache“ Nr. 5, 1977 - Herausgeber: SPD-Landesverband Schleswig-Holstein)


Das politische System der Bundesrepublik steht vor der Aufgabe, Strukturprobleme bisher nicht bekannten Ausmaßes bewältigen zu müssen. Herkömmliche Erklärungsmuster reichen als Grundlage für künftiges politisches Handeln ebenso wenig aus wie herkömmliche Strategien und Instrumente zu ihrer Bewältigung.

In einer Zeit, in der neue Maßnahmen und Instrumente zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme gesucht und gefunden werden müssen, gewinnen die Grundwerte des demokratischen Sozialismus ein neues Gewicht als Leitlinien sozialdemokratischen Handelns.

Der Grundwert der Solidarität, der in der Geschichte der Arbeiterbewegung und des demokratischen Sozialismus stets eine entscheidende Rolle gespielt hat, hat dabei heute besondere Bedeutung:

  • weil um die erkennbar langfristig knappen Arbeitsplätze ein harter Verteilungskampf der Arbeitnehmer entstanden ist, der sich noch zu verschärfen droht;
  • weil bestimmte Gruppen unserer Gesellschaft wegen ihrer spezifischen Probleme stärker als andere Gruppen die Folgen dieser Strukturkrise und dieses Verteilungskampfes um Arbeit zu tragen haben - dazu zählt die große Gruppe der Frauen - und
  • weil die Probleme der Frauen zwar theoretisch als Probleme der Gesellschaft anerkannt werden (Grundgesetz, Godesberger Programm, Orientierungsrahmen '85), in der Praxis aber die Problemlösungen nicht Schritt gehalten haben mit den theoretischen Zielsetzungen, und
  • weil nun außerdem die Gefahr besteht, dass den Frauen in der Krise das wieder weggenommen wird, was im Aufbruch der Reformpolitik, in den Zeiten des Konjunkturhochs, von der SPD und den Gewerkschaften für sie erkämpft werden konnte.

Dass diese Sorgen berechtigt sind, zeigt sich an folgenden Tatbeständen:

  1. Überproportionaler Rückgang der Zahlen der Mädchen bei Abschlüssen von Ausbildungsverträgen und der Aufnahme von Studiengängen,
  2. überproportionaler Anteil der Frauen an der Arbeitslosigkeit,
  3. unterdurchschnittlicher Anteil der Frauen an der Entlohnung,
  4. unterdurchschnittlicher Anteil an industriellen Arbeitsplätzen,
  5. Wiederaufleben des traditionellen Rollenverständnisses durch Rückdrängung der Frauen,
  6. keine Fortschritte in der Präsenz der Frau in der Politik, Wirtschaft und Forschung.

Im Bewusstsein, dass für die Mehrheit der Frauen soziale, wirtschaftliche und politische Benachteiligungen erst in dem Maß eingebaut werden, wie die Frauen in die Industriegesellschaft und die Politik einbezogen werden, bekräftigt die SPD Schleswig-Holstein den Grundwert Arbeit auch für Frauen und erklärt ihre Solidarität mit dem Ziel, das Recht auf Arbeit, Ausbildung und politische Mitbestimmung für Frauen durch geeignete Maßnahmen in der Praxis zu verwirklichen. Dabei sind wir uns bewusst, dass nur in der engen Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften und durch die Stärkung von Arbeitnehmerrechten unsere Ziele verwirklicht werden können.